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China-Aufenthalt 2018

Tag 1 und 2 (26.+27.10.2018):
Nach einer abenteuerlichen Anreise per Zug und Flug landen wir im ,,Paris des Ostens’’: Shanghai. Allein die Reise vom Flughafen Pudong zur Innenstadt dauert eine Stunde. Die schier endlosen Hochhaussiedlungen reihen sich an zehnspurige Highways wie Perlen an einer Kette und bestimmen unsere ersten Eindrücke.
Der ,,goldene Wohlstand’’ in Form des pagodenförmigen Jin Mao ist unser erstes Ziel: 88 Stockwerke und 421 Meter hoch. Ein strahlend blauer Herbsttag lässt uns die Weite Shanghais erahnen: 24 Millionen Einwohner und Wolkenkratzer, so weit das Auge reicht. Die prächtige Uferpromenade Bund, die Nanjin-Road, die City-Exhibition-Hall sowie das Shanghai-Museum stehen auf unserem Programm. Frisch gestärkt  begeben wir uns nach dem Abendessen auf ein Schiff und bewundern Shanghai bei Nacht: Die erleuchtete Skyline von Pudong wird uns noch lange im Gedächtnis bleiben.

Tag 3 (28.10.2018)
Nachdem wir in der größten chinesischen Stadt an einer viel befahrenen Schnellstraße aufwachen, erwartet uns ein reichhaltiges Hotelfrühstück. Für viele gewöhnungsbedürftig: Spaghetti in Knoblauchsoße und weiße Hefezöpfchen. Der erste Programmpunkt an diesem Tag ist der Yu-Garten, einer der bekanntesten Parks im Reich der Mitte. Er ist dem ewigen und glücklichen Leben gewidmet.
Die Grundpfeiler des Gartens sind Steine, Wasser und Pflanzen, wie zum Beispiel Magnolien. Sie versinnbildlichen Einfachheit, Formlosigkeit und Wunschlosigkeit. Mitten in einem Teich mit Koi-Karpfen befindet sich das Teehaus mit den typischen, geschwungenen Dächern. Es ist über die Zick-Zack-Treppe erreichbar, die wegen ihrer eckigen Form Geister und Dämonen abweist.
Beim Besuch des alten, französischen Viertels betreten wir im Gegensatz zum Central-District eine andere Welt. Dort hinterließen seit Mitte des 19. Jahrhunderts Kolonialisten, vor allem Handelsleute, das heute noch spürbare ,,Savoir Vivre’’. Einladende Cafés, stilvolle Lokale zum Wohlfühlen, auf dem zentralen Platz der Brunnen mit bronzenen Figuren, die Glück, Wohlstand und Langlebigkeit verkörpern. Wie wir entdecken, haben in einem Gebäude nebenan zwölf Intellektuelle 1920 die Kommunistische Partei Chinas gegründet. Sie wollten die Verelendung der Massen lindern.

Tag 4 (29.10.2018)
Der Tag beginnt mit dem Ausblick auf die Hangzhouer Skyline. Nach dem Frühstück heißt es: Gepäck nehmen und ab in den Bus. Unser erstes Ziel ist der ,,West Lake’’, der für seine Schönheit berühmt ist. Die Umgebung wird von den Chinesen auch das ,,Paradies auf Erden’’ genannt. Der See umfasst 6,5 Quadratkilometer und ist maximal fünf Meter tief, trotz allem wirkt er riesengroß. Dank der traditionellen, chinesischen Zickzack-Brücken kann man ihn aus allen erdenklichen Positionen und Winkeln betrachten. In der Mitte des Sees sind drei künstlich angelegte Inseln und hin und wieder lugt eine Pagode von der anderen Seite des Sees zwischen den Bäumen dieser Inseln hervor.
Wir steigen in ein Boot und machen eine Rundfahrt, auf der uns Elsa, unsere Reiseführerin, eine abenteuerliche Sage über die Weiße Schlange erzählt - wir hängen wie gebannt an ihren Lippen.
Danach geht es in ein kleines Teedorf, das bekannt ist für seine Grünteeplantagen: Hier wird Drachenbrunnentee produziert. Auf dem Weg dorthin kann man die Teepflanzen bewundern, die sich, anders als bei unseren Weinbergen, in Reihen von links nach rechts den Berg hinauf erstrecken.
Unser Ziel ist das Haus, in dem die frischen Teeblätter zu Tee verarbeitet werden. Wir werden dort von einer Mitarbeiterin empfangen, die uns zu einer Teeprobe einlädt. Dazu setzen wir uns an einen großen, langen Holztisch und bekommen je ein Glas mit wenigen, getrockneten Teeblättern gereicht. Die Teeblätter werden mit ein wenig Wasser übergossen, das 80°C heiß sein soll. Nach einigen Minuten wird das Glas gefüllt. Wir schwenken es und werden aufgefordert, daran zu riechen. Zu unserem Erstaunen riecht der Tee ein wenig nach Spinat und schmeckt überraschend gut. Mit einem verblüffenden Versuch wird uns deutlich gemacht, dass grüner Tee freie Radikale einfängt und somit gut für die Gesundheit ist.
Zuletzt besuchen wir die ,,Alte Straße’’ von Hangzhou in der ehemaligen Altstadt, wo es außergewöhnliche Snacks und allerlei Krimskrams gibt. Einer dieser Snacks hat die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich gezogen: An dem Stand gibt es eine Süßigkeit, die wie großer Puffreis aussieht und auch so schmeckt. Diese Puffreisbälle werden in einen Topf mit Trockeneis geworfen und dort einige Sekunden gelassen. Danach werden sie in einem Becher serviert, und wenn man diese isst, steigt der ,,Rauch’’ des Trockeneises aus Mund und Nase. Ein äußerst lustiger Anblick und ein guter Abschluss des Tages.

Tag 5 (30.10.2018)
Heute startet unser Tag um 9.30 Uhr mit der Fahrt zum ,,Asian City Gate’’ in Suzhou, dem ehemaligen Stadttor dieser Stadt. Bei diesem Tor handelt es sich um eines der ältesten chinesischen Stadttore. Dort besichtigen wir einen von vielen traditionellen chinesischen Gärten, welcher zu Ehren des Torbauers Wu Zixu errichtet wurde. Zuerst erblicken wir einen eindrucksvollen siebenstöckigen Pagodenturm.
Des Weiteren können wir die bekannten Zick-Zack-Brücken Chinas sowie eine schöne, grüne Landschaft entdecken. Es wirkt alles ruhig und friedlich. Besonders freuen wir uns über die goldigen Kinder einer chinesischen Grundschulgruppe, die uns fröhlich zuwinken. Nach dem leckeren Abendessen übt unsere Gruppe unter den interessierten Blicken von sehr vielen Chinesen den Line-Dance, den wir für den Abschlussabend in Tianjin vorbereiten. Die Stimmung ist euphorisch und wir üben Lieder wie ,,Auf der Schwäb’schen Eisenbahn’’.
Natürlich darf an diesem Tag auch der Besuch einer Seidenfabrik nicht fehlen, denn Suzhou ist der Geburtsort der Seide, welche eine Geschichte von über 6000 Jahren hat und ein sehr fein gewobenes Produkt ist, das von den feinen Fasern des Maulbeeren-Kokons der Seidenraupe gesponnen wird. Gespannt lernen wir die Arbeitsschritte der Seidenproduktion kennen und können anschließend noch Seidenprodukte im Shop einkaufen.
Als Nächstes unternehmen wir eine Bootsfahrt auf dem Kaiserkanal, welcher Teil des großen Wasserstraßensystems Suzhou ist. Aufgrund dieses Kanals wird Suzhou als das ,,Venedig Chinas’’ bezeichnet.
Uns fällt auf, dass nur alte Häuser vorhanden sind, und wir erfahren, dass Suzhou Weltkulturerbe ist.
Anschließend erkunden wir das Straßenleben Suzhous. Zum Abendessen gehen wir heute zu McDonalds und warten auf den Zug, der uns in 15 Stunden nach Beijing bringen wird. Die ausgelassene Stimmung ist dem Geburtstag von Valentin geschuldigt, der heute 16 Jahre alt wird.

Tag 6 (1.11.2018)
Und erneut heißt es: ,,Früh aufstehen!“. Bereits um acht Uhr morgens steigen alle in den Bus ein und wir fahren durch Peking, den Sommerpalast als Ziel.
Als wir das Areal betreten, ist es überwältigend, wie unsagbar groß die Anlage ist, obwohl sie ohne jegliche Technik angelegt worden ist: Unter anderem erstreckt sich vor uns ein riesiger, bis zu drei Meter tiefer See. Der Kunmingsee ist von Menschenhand erschaffen worden. Um ihn herum stehen Pagoden und Tempelanlagen, in denen die Kaiser früher im Sommer ihre Zeit verbrachten.
Auch Statuen sind immer wieder zu sehen: Drachen und Phönixe, die für die Kaiserinnen und Kaiser stehen, und welche, die die besten Eigenschaften eines Menschen darstellen sollen. Die Fabelwesen haben den Kopf eines Drachen, die Mähne eines Löwen, das Geweih eines Hirsches und die Hufe eines Stieres. Darüber hinaus sieht man häufig in den Fenstern Fledermausmuster. Diese Tiere stehen in China für Glück.
Heute hören wir interessante Geschichten über die Vergangenheit der Anlage und das damalige Leben. Wir erfahren auch, dass dort einer der letzten Kaiser, Gunang Xu, der mit sechs Jahren Herrscher wurde, von seiner Mutter Cix Li eingesperrt und zum Tode verurteilt wurde, während sie die ganze Macht an sich riss. Sie hinterzog auch die Steuergelder, die eigentlich für andere Projekte gedacht waren, und baute sich ein großes, gänzlich aus Marmor bestehendes Schiff.
Nach dem Essen fahren wir mit dem Bus zur ,,Chinesischen Mauer’’ mit dem Namen Ju-Yung-Guang. Dieser Teil der Mauer ist besonders steil und an ihm sind mehrere Häuser als Versorgungsstationen für die Soldaten gebaut worden. Die ,,Chinesische Mauer’’ ist 9000 Kilometer lang und soll vom Mond aus zu sehen sein - was aber nicht stimmt. Außerdem wurde sie zur Kommunikation und zum Transport von Truppen und Lebensmittel durch die Gebirge genutzt. Die ,,Chinesische Mauer’’ entstand größtenteils im 16. Jahrhundert mit Hilfe von zeitweise bis zu 800.000 Zwangsarbeitern. Teile der ,,Großen Mauer’’ wurden ab den 1950er Jahren restauriert, so auch die Teilstücke, die wir besuchen. Dort haben wir zwei Stunden Zeit, um die steilen und um den Berg gewundenen Treppen zu erklimmen. Wir können atemberaubende und fantastische Ausblicke genießen, die sich uns bieten.
Danach gehen wir zum sogenannten ,,Vogelnest’’, dem Nationalstadion Pekings. Es ist 330 Meter lang, 220 Meter breit, 69,2 Meter hoch und bietet 80.000 Sitzplätze. Das außergewöhnliche Projekt wurde von zwei Schweizer Architekten entworfen und sieht wie ein Vogelnest aus. Der Stahl des Vogelnests kam jedoch aus dem etwa 1000 Kilometer entfernten Shanghai. Besonders ist, dass China das erste Land sein wird, das Sommer- und Winterspiele austragen darf.

Wochenenderlebnisse in den Gastfamilien (02.-04.11.2018)

Schüler 1:
Alles beginnt mit einer Autofahrt zu einem nahegelegenen, kleinen Busbahnhof, um den Großvater meines chinesischen Austauschschülers Yannik abzuholen, der mit uns, also Yannik, seinen Eltern und mir, zur Hochzeit fährt. Wer heiratet? - Diese Frage kann Yannik nur andeuten. Augenscheinlich sind die Familienverhältnisse in seiner Familie nur schwer zu durchblicken - besonders für einen Außenstehenden wie mich. Deshalb lassen wir die Frage, wen wir gleich antreffen, vorerst offen und uns überraschen.
Wir erreichen ein großes Restaurant etwas außerhalb von Tianjin in einem Industriegebiet. Als wir durch die große Eingangstür treten, werden wir von einer Wolke aus Zigarettenqualm und chinesischem Essensgeruch empfangen. Ich höre laute Chinese-Pop-Musik und auf einer großen, bunten Bühne steht ein Brautpaar. Erst denke ich, wir seien zu spät, doch schnell wird mir klar, dass dies nicht die Hochzeit ist, zu der wir eingeladen sind - so schön sie auch sein mag.
Wir warten auf andere Verwandte aus Yanniks Familie. Mein Blick wandert auf die riesige Speisekarte, auf der man sich sein Essen aussuchen kann, zu der anderen Hochzeit, den Mann, der die Pekingente anschneidet, und zu Yannik, der etwas benommen dreinblickt. Es ist heiß, es riecht stark nach Rauch und irgendwie unangenehm. Yanniks Angebot, nach draußen zu gehen, nehme ich dankend an. Nach und nach treffen die Hochzeitsgäste ein.
Das Essen beginnt mit leckeren Nudeln - mein persönliches Highlight des Tages. Dazu trinken wir grünen Tee. Während des Essens springt plötzlich meine Gastmutter auf und muss Yanniks Großvater, der sich plötzlich sehr schlecht fühlt, ins Krankenhaus fahren. Bis heute weiß ich nicht, was eigentlich der Grund dafür war.
Als das Essen vorüber ist, tritt ein eigentümlicher Mann an uns heran, der mir von Anfang an unsympathisch war. Nach dreimaligem Nachfragen folgen wir ihm, denn wir wollen die Braut noch vor der Hochzeit sehen. Doch der Weg zur ihr scheint nicht einfach zu sein, denn im anvisierten Kontainer im Industriegebiet sitzen nur fünf Männer und rauchen Zigarette.
Kurz darauf finde ich mich im Auto von Yanniks Tante wieder - Auf diese Weise sollen wir jetzt zur Braut kommen. Und tatsächlich, nach kurzer Autofahrt sitze ich neben der Braut und ein Fotograf schießt Fotos von Yannik, der Braut und mir. Sie trägt ein rotes Kleid mit einem traditionellen, goldenen Muster und eine Krone auf dem Kopf.
Die Situation sieht für mich etwas unübersichtlich aus, selbst Yannik scheint nicht alle Gäste zu kennen. Wartend stehen wir schließlich in der Tür und schauen dem Treiben im Inneren der Wohnung zu.
Wenige Minuten nach der Ankunft meiner Gastmutter folgt der Bräutigam samt Gefolgschaft, welche daraufhin die Braut aus der Wohnung holen will. Die Tür wird aber erst auf mehrmaliges Anklopfen des Bräutigams hin geöffnet, die Braut zeigt sich jedoch nicht. Anscheinend darf sie der Bräutigam vor der Hochzeit nicht sehen.
Die älteren Tanten meines Austauschpartners wollen zwar, dass ich noch bleibe, doch Yanniks Familie und ich fahren schließlich nach Hause. Noch anzufügen ist, dass die Hochzeit später im Restaurant noch fortgeführt wurde und die Braut dazu ein weißes Kleid anhatte.
Diese Hochzeit war bzw. wird wahrscheinlich die ungewöhnlichste meines Lebens sein, auch unter dem Aspekt betrachtet, dass meine Lehrer zuerst dachten, dass ich verheiratet werden sollte.

Schüler 2:
Am Samstag sind meine Familie und ich um 6 Uhr aufgestanden und wir haben das Chinahaus, auch ,,Porzellanhaus’’ genannt, besucht. Danach haben wir eine typische Spezialität, einen Pfannenkuchen mit Ei und etwas Frittiertem als Inhalt, auch pan cake Jian Bin Guo Zi genannt, gegessen. Später sind wir zum Mittagessen in ein Restaurant gegangen. Wir haben kleine, flache Kuchen mit Brokkoli, Pilzen und Rettich gegessen. Nach dem Essen haben wir einen Süßigkeitenladen besucht und weitere Spezialitäten probiert, beispielsweise gab es eine ganze geröstete Süßkartoffel und kandierte Früchte am Stiel darunter.
Danach sind wir in das Haus der Großmutter und der Tante gegangen. Meine Austauschschülerin musste dann zur Englisch-Nachhilfe, ich habe in der Zwischenzeit einen Film angesehen. Am nächsten Tag ist meine Austauschschülerin Ou um 6 Uhr aufgestanden, um zu lernen. Ich habe zwei Stunden länger geschlafen und bin dann erst aufgestanden. Die längste Zeit des Tages hat Ou gelernt. Mittags haben wir Dumplings selber gemacht und danach gegessen. Am Abend haben Ou und ich gegeneinander ,,5er Schach’’, ein traditionelles Spiel, das unserem ,,4 Gewinnt’’ ähnelt, gespielt.

Schüler 3:
Meine Austauschschülerin und ich waren an beiden Tagen mit ihren Freunden und deren Austauschschülern unterwegs.
Am Samstag sind wir zuerst mit der U-Bahn in einen Zoo gefahren, in dem wir einen Panda gesehen haben. Danach haben wir den restlichen Tag in einem Einkaufszentrum verbracht, unter anderem in der Spieleabteilung, wo es viele Glücksspielautomaten gab. Auch am Sonntag waren wir wieder zusammen im Einkaufszentrum. Allerdings gab es dort nicht nur Läden, sondern auch eine Eisfläche und ein Kino, welche wir beide besucht haben. Der Film, den wir uns im Kino angeschaut haben, war auf Englisch. Leider konnte meine Austauschschülerin nicht mit ins Kino gehen, da sie sich auf eine Prüfung vorbereiten musste. Am Abend habe ich mit ihr Deutsch gelernt.

Tag 10 (05.11.2018)
Unsere Partnerschule No. 42, die wir an diesem Tag kennenlernen, ist eine von 24 Mittelschulen im Stadtbezirk Heuxi. Durch die Verknüpfung von Tradition und Moderne sollen die rund 3000 Schüler für die Zukunft vorbereitet werden - und laut Schulmotto ihre Träume verwirklichen.
Auf dem großen Campus ist desahlb direkt neben dem Haupttor ein kleines Museum eingerichtet, in das wir nach der Begrüßung durch die Schulleiterin Frau Shen geführt werden. Ein gegossenes Wandrelief, Holzbretter und weitere Darstellungen zeigen die Eigenschaften der 300-jährigen chinesischen Geschichte. Dazu zählen das Papier, der Buchdruck, das Schießpulver, der erste Seismograph und weitere Erfindungen, die lange vor den Europäern technisches und wissenschaftliches Denken dokumentieren.
Leitbild auf dem Weg des Fortschritts ist für die Schule vor allem Konfuzius, der als philosophischer Vordenker Ausgeglichenheit und Harmonie als Grundlage allen Lebens vorschreibt. Das spüren wir als Besucher auch an den weiteren Stationen unserer kleinen Schulführung. Bei Frau Wang Chunjü, eigentlich Musiklehrerin, lernen wir die Teezeremonie kennen, die das Reinigen der Kannen und Tassen ebenso vorsieht wie die sparsame Verwendung des grünen Tees, der beim zweiten Aufguss seinen vollen Geschmack entfaltet.
Die Kalligraphie, in die uns Herr Tian Shuren anschließend einweiht, ist die Kunst des schwungvollen Schreibens mit Tusche. Der Auftakt vieler chinesischen Zeichen ist die Gegenbewegung. Wer einen waagrechten Strich auf das saugstarke Papier bringen möchte, muss den Pinsel zunächst ein kleines Stück nach links führen. Der Strich wird danach nach rechts fortgesetzt.
Vor dem Mittagessen in der Schulkantine stehen auch die Besichtigung der naturwissenschaftlichen Lehrsäle sowie ein kleiner Blick in das Lehrerzimmer auf dem Programm. Hier müssen die Lehrer jeden Tag gegen 7.30 Uhr ihren Fingerabdruck abgeben, der von einem Mini-Computer gescannt wird. Die staatliche Kontrolle im Reich der Lüfte registriert natürlich auch die Anwesenheit der Lehrkräfte.
In der Kantine kommt uns vieles schon bekannt vor. Besonders bei den Spaghetti mit Gemüsesoße und dem chinesischen Trink-Joghurt schlagen wir zu. Die süß-säuerliche Mischung des Joghurts erinnert durch den Ausgleich der Gegensätze ein wenig an Konfuzius.
Am Nachmittag steht dann das traditionelle Handwerk im Mittelpunkt. In der Kunststraße haben es uns vor allem die kleinen Jadefiguren angetan. Sie stellen Drachen und andere Phantasiefiguren dar. Beim ortsüblichen Handeln bekommen wir dank unseres europäischen Charmes immerhin einen Rabatt von 10%.
Ein weiterer Abstecher führt uns zu einem kleinen Tianjiner Park, in dem die ehemalige Residenz des letzten Kaisers liegt. Nach seiner erzwungenen Abdankung plante Puyi hier die Gegenrevolution, die jedoch erfolglos blieb. Die Residenz sieht durch den europäischen Baustil für uns so aus wie unsere gesellschaftlichen Gebäude.
Am späten Nachmittag kehren wir schließlich zu unserer Partnerschule zurück. Im Gepäck sind auch viele Leckereien wie Erdnussgutsle, die wir bei einem Zwischenstopp auf dem Tianjiner Naschmarkt eingesackt haben.

Tag 11 (06.11.2018)
Die Große Mauer (Wanli Chang Cheng) hat viele Gesichter - so besuchen wir heute, von Tianjin aus einen noch recht urtümlichen Abschnitt: Bei Huangyaguan schlängelt sich ein landschaftlich herrlich gelegener Mauerabschnitt durch die Wangmaoding-Berge.
Huangyaguan war eine der großen Festungsstädte, die vor allem wegen ihrer bewusst irreführenden Anordnung einige Berühmtheit erlangt hat. Die Stadt mit der Kommandatur als Zentrum war nach dem System der acht Trigramme - Himmel, Wasser, Gebirge, Donner, Wind, Feuer, Erde und Moor - gebaut worden. Über 40 Straßen waren in T-Form oder Winkelform miteinander verbunden und bildeten so ein Labyrinth, aus dem nur Ortskundige wieder herausfanden.
Der Pass lag (und liegt) an einer Stelle, an der zwei Gebirge eine tiefe Schlucht bilden. Bei Sonnenuntergang wird die östliche Felswand angestrahlt und leuchtet so schön, dass dieser Mauerabschnitt den Namen „Goldener Felsenpass“, Huangyaguan, bekam.
Vom letzten Wachturm aus wagen es einige Schüler, die „Himmelsleiter“ hochzusteigen: nach 302 großen und teilweise sehr unregelmäßigen Stufen sehen wir die Große Mauer von oben und staunen über die atemberaubenden Ausblicke.

Tag 13 (08.11.2018)
In einem Klassenzimmer der chinesischen Schule zu sitzen, ist im ersten Moment gewohnt. Vorne stehen die Tafel und das Pult, die Schüler sitzen an Tischen im Klassenraum, die Blicke auf den Lehrer gerichtet.
Doch trotzdem merkt man schnell, dass vieles anders ist: Alle sitzen an Einzeltischen. Wenn der Lehrer eine Frage stellt, antworten viele gleichzeitig leise, und wenn nur einer der Schüler redet, dann steht er auf.
Auch sitzen in dem Raum (ohne uns Deutsche gerechnet) 43 Schülerinnen und Schüler. Die Situation ist auch deshalb etwas ungewohnt, da man dem Unterricht nicht wirklich folgen kann, da eine fremde Sprache gesprochen wird.
Trotzdem war es eine interessante Erfahrung, dieser Art von Unterricht beizuwohnen.